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Vorsichtig bei unurchsichtigen Kleinanzeigen mit utopischen Gehaltsversprechen

Wie sicher sind Stellen aus Kleinanzeigen?

Keine Erfahrung, keine oder eine nur mangelhafte Ausbildung? Jung und hoch motiviert, das Leben in vollen Zügen zu genießen? Das sind gute Voraussetzungen für eine Vielzahl von Jobangeboten in Form von Kleinanzeigen sowohl auf verschiedenen Internetportalen wie auch den entsprechenden Spalten unterschiedlicher Tageszeitungen. In diesen Kleinanzeigen werden teils extrem hohe Einkommen versprochen. Ein einfach auszuführender Job mit verschiedenen Vergünstigungen bis hin zum eigenen Firmenwagen, der natürlich auch privat genutzt werden kann. Es sind vor allem junge Menschen oder Personen in finanziellen Schwierigkeiten, die auf der Suche nach einem schnellen und möglichst hohen Einkommen sind und auf diese Angebote reagieren.

Das Lockmittel

Die diversen Klein-Anzeigen unterscheiden sich im Grunde inhaltlich nicht sehr. Es geht darum, eine bestimmte Zielgruppe zu erreichen. Das sind Menschen, deren Background aufgrund etwa mangelhafter Ausbildung oder anderer Schwierigkeiten als instabil zu betrachten ist. Die vorhandenen Zukunftsperspektiven sind alles andere als erfreulich, was oft genug auch mit der eigenen Motivation zusammenhängt. Dabei sieht das der jeweilige Kandidat für einen der ausgeschriebenen Jobs natürlich etwas anders. Jedes Individuum neigt dazu, die eigenen Fähigkeiten und Voraussetzungen eher positiv zu betrachten, solange diese nicht einem bestimmten Muster entsprechen müssen. Genau da setzen die Inhalte der Kleinanzeigen an. Es werden keine exakten Angaben gemacht. Da ist die Rede von leicht zu erwerbendem Einkommen und schneller Karriere, nur niemals genau, was denn der Inhalt des Jobs ist, der soviel Geld verspricht.
Wer bisher auf dem regulären Arbeitsmarkt kaum Erfahrungen machte oder einfach ein unverbesserlicher Träumer ist beziehungsweise keine Berufsausbildung besitzt, wird diese Klein-Anzeigen als einen Weg ansehen, aus der persönlichen Misere herauszukommen, in der sich nicht wenige der angesprochenen Arbeitssuchenden befinden.

Geld ist Alles

Prägend für alle Kleinanzeigen dieser Art ist die Zielsetzung „viel Geld“ in kurzer Zeit bei kleinstem Aufwand zu erwerben. Genau das, von dem doch im Grunde jeder träumt. Nicht umsonst wird soviel Lotto gespielt. Die Kleinanzeigen mit entsprechendem Inhalt sind ähnlich wie Lottowerbung aufgebaut. Natürlich werden nicht sofort Millionen Euro über Nacht versprochen, das wäre dann doch übertrieben. Ein Einkommen von 5000 Euro oder mehr bedeutet jedoch für die meisten Personen der Zielgruppe ein Gehalt, das normalerweise mit dem vorhandenen Ausbildungsstand niemals zu erreichen ist. Oft sind es Menschen, die bereits seit längerer Zeit von staatlichen Transferleistungen leben. Fünftausend Euro pro Monat wären dann mitunter eine Vervierfachung des zur Verfügung stehenden Geldes. Solche Zahlen lösen Emotionen aus und veranlassen den Leser, die Realität auszublenden. Dabei ist die Höhe des zu erreichenden Einkommens dem gesellschaftlichen und sozialen Umfeld angepasst. Der Betrag ist hoch, jedoch nicht wirklich utopisch. Die Geldmenge ist vorstellbar. Das bezieht sich im Übrigen nicht allein auf die Länder der so genannten ersten Welt. Selbst in Drittweltländern werden solche Klein-Anzeigen mit entsprechend niedrigerem Wert geschaltet. In Ländern mit einem Monatseinkommen von etwa 200 Euro sind dann eben 400 oder 500 Euro die Reizschwelle, die eine Kontaktaufnahme auslöst.

Den Kontakt herstellen

Genau das ist das Ziel, den Erstkontakt herzustellen. Natürlich besitzen fast alle Inserate das Ziel, einen Kontakt herzustellen, doch nur Kleinanzeigen dieser Art versprechen dabei Viel ohne etwas zu fordern. Wenn beispielsweise ein Handwerksbetrieb einen neuen Gesellen sucht, steht in der Regel in der Anzeige nicht in Fettschrift, wie viel der neue Geselle verdienen soll. Üblicherweise werden erst einmal die Voraussetzungen genannt, unter denen die neue Arbeit aufgenommen werden kann. Erfahrungen, bestimmte Kenntnisse und natürlich eine abgeschlossene Ausbildung werden gefordert. Dann erst folgen Details zu eventuellen Benefits des Unternehmens und dessen vollständige Anschrift. Ein Markenzeichen, das die Kleinanzeigen für Super-Einkommen ohne Kenntnisse meist vermissen lassen. Oft sind es nur Telefonnummern oder E-Mailadressen und eventuell Firmennamen, die bei einer Suche über das Internet in der Regel ins Leere führen. Wer jedoch nach dem berühmten Strohhalm greift, um sich vor dem Ertrinken zu retten, blendet diese Alarmsignale, oft sogar bewusst, aus. Es könnte ja sein, dass wirklich ein Super-Job mit einem Super-Einkommen dahinter steckt.

h4>Was steckt wirklich dahinter?

Im Prinzip bestehen zwei Arten von Kleinanzeigen dieser Art, deren Zielsetzung unterschiedlicher Natur ist. Einmal geht es um nichts anderes als Betrug auf die eine oder andere Weise und das andere ist die Suche nach Vertriebsmitarbeitern für Produkte oder Dienstleistungen, deren Inhalte selbst oft genug einen Betrug am Kunden darstellen. Im ersten Fall wird der Bewerber auf den neuen, tollen Job schlichtweg abgezockt. Professionelle Betrüger arbeiten dabei am liebsten telefonisch oder im direkten Gespräch. Abhängig ist dies von dem zu erwartenden Gewinn. Selbst Menschen mit schwachem Einkommen können erstaunlich hohe Summen organisieren, wenn sie dazu gebracht werden. Es geht ja schließlich um eine goldene Zukunft. Dann werden von den jeweiligen Bewerbern etwa Gebühren für Schutzrechte von Unterlagen verlangt oder andere dubiose Behauptungen. Mitunter werden die Bewerber auch zu Veranstaltungen gelockt, in denen es um das berühmte Multi-Level-Marketing geht, es in Wirklichkeit jedoch nur ein Kettenbrief ist, an dem die Organisatoren gut verdienen und die Bewerber wesentlich ärmer herausgehen, als sie hineingekommen sind. Vertriebsmitarbeiter für Produkte wie Vermögensanlage oder Ferien-Immobilien sind das andere Ziel dieser Kleinanzeigen. Der Aufwand für die Betreiber solcher Vertriebsstrukturen ist zwar wesentlich höher, der Gewinn jedoch auch. Denn hierbei wird der Bewerber für den Vertrieb der jeweiligen Produkte eingespannt. Dabei darf es ruhig auch die eigene Familie beziehungsweise Verwandtschaft sein, die über ihr Familienmitglied dazu gebracht wird, Produkte zu kaufen oder Verträge abzuschließen, die sie sonst niemals in Anspruch genommen hätten.

Fazit

Wenn ein Unternehmen in einer Kleinanzeige nicht eindeutig zu identifizieren ist und die Anforderungen nicht klar dargestellt sind, einfach die Finger davon lassen. Bei solchen Anzeigen gewinnt nur einer, der Inserent.

 

Bildquelle: Flynt/Bigstock.com

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